Uns erreichte eine Mail von jemandem, der sich die Seite angesehen und sich mit den Idealen der Nous auseinandergesetzt hat, und im Gegensatz zu vielen Hatern und Flamern hat er wirklich konstruktive Kritik und interessante Fragen gestellt. Für all jene, die den Text noch nicht aus dem Diskussionsforum kennen (und auch für die Nachwelt =)):
„Hallo Ihr Nous,
Eine schöne Seite habt Ihr da.
Damit komme ich auch gleich zu meinem Grund, hier zu schreiben:
Nicht um zu flamen oder Euch sonstwie anzugehen, ich möchte nur das Ein- oder Andere verstehen…
Ich kenne einige Szenen. Ich habe die seit Mitte der Achtziger übliche “Vita” durchlaufen, einschl. Rockabilly, Rudeboy und Punk (damals halt…) und habe es gelebt bzw. lebe es noch. Wie kann man aber etwas leben, zu dem man sich hier bewirbt ? Szenen, Subkulturen wachsen, sie werden nicht am… gegründet von… Es gibt kein “Rangsystem”, es gibt respektierte “Silberrücken”, die durch ihr Leben zur Szenelegende werden.
Hier sehe ich eine tolle, professionelle Site mit Bannerwerbung, frische stylische Mods und lese, dass es nichts gibt, was Ihr gemeinsam habt. “Bestes Beispiel der Emostyle…” – Leute, der sog. Emostyle ist Plastique… Kommerz at it’s best – and so are you, I suppose. Die Bewerbung dient dem zielgruppenorietierten Marketing.
Schade: Ich hoffe immer, dass es noch nicht alles tot ist, dass nicht alles nur Kommerz ist, das die Kids mal Gas geben; aber Euer Konzept erinnert mich irgendwie an den Knax-Club.
“Also entweder interessiert ihr euch für die Community…” – Genau das tue ich hiermit, ich greife nicht an, ich bitte um offenen Diskurs: Bitte um Erläuterungen.
Macht’s gut !
Nik“
Es ist schön, dass sich ein solcher „Alteingesessener“, welcher die Entwicklung und Veränderung von verschiedenen Stilrichtungen miterlebt und ausgelebt hat, teilweise sogar heute noch auslebt, sich genug für unsere Community interessiert, um eine solche Mail zu verfassen. Und ich antworte ihm darauf gerne.
Kommen wir erst ein mal zu den Kommerziellen Strukturen. Die Notorious-Scene ist nahezu Werbefrei. Man kann die Seite zwar alle drei Stunden mal mit einem Klick auf die entsprechende Seite unterstützen, doch dienen diese Einnahmen ausschließlich der Instandhaltung der Webseite – und sind dazu nicht mal wirklich ausreichend. Die wenigen, unscheinbaren Links wie z.B. weit unten auf der Startseite oder durch das (kostenlose) Angebot von kleinen Online-Spielen sind so unaufällig, dass ich sie nicht bemerkt hätte, wenn Fabsel mich nicht darauf hingewiesen hätte. Dennoch, trotz der gringen Werbung: wir verkaufen nichts und wir machen keine aktive Werbung (versuchen also niemandem etwas anzudrehen) es gibt also keinerlei Kommerzielle Struktur in der Scene.
Natürlich meinte Nik damit auch nicht unbedingt, dass wir etwas verkaufen (auch wenn er Zielgruppenorientiertes Marketing anspricht), sondern will auf die kommerziell orientierten Stilrichtungen eingehen, die im Gegenstand zu den Idealen des alten „Punks“ steht, der sich ja von allem Kommerziellem lossagen wollte. Ich bin zwar nicht dabei gewesen, habe mich aber sehr viel mit den Entwicklungen von damals befasst und habe auch Leute in der Familie, die Mitte der 80er die Geburtsstunden alternativer Lebensstile nicht nur mitverfolgt sondern auch ausgelebt haben, und jeder weiß, dass davon nicht mehr viel übrig ist. Den Teenagern von heute ist jedoch kaum bewusst, dass ihre Musik und ihre Kleidung, so gesehen ihr ganzer Stil, ob nun Metaler oder Goth, auf diesen alten Stilrichtungen gründen, die sie selbst nicht aktiv Miterlebt haben. Und er hat richtig festgestellt, dass „Emo“ so betrachtet ein Revival des „Plastique“ ist. Keiner kann das Rad neu erfinden, auch wir Nous nicht. Doch ist den Jugendlichen daraus kein Vorwurf zu machen, denn die Funktion des „Stils“ hat sich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte stark verändert.
Während der Punk von damals noch eine eindeutige politische Einstellung repräsentieren sollte, die sich nicht unbegründet gegen politische Gegebenheiten, den Kommerz und das staatliche System gestellt hat, sind die alternativen Stile von heute eher Reflektion der eigenen Persönlichkeit und dienen der Selbstidentifikation. Natürlich gibt es mehr als genug Mitläufer, die gar keine echte Identität haben und sich einfach nur an anderen orientieren, um „irgendwo dabei zu sein“, doch genau das vermeidet die Notorious-Scene, und wie, darauf komme ich gleich noch zu sprechen.
Ebenfalls richtig ist seine Aussage, das „Scenen“ oder „Subkulturen“ nicht von irgendjemandem Gegründet werden und eine Mitgliedschaft voraussetzen. Hierbei weise ich noch einmal darauf hin, dass der Begriff „Notorious-Scene“ ein kleinen wenig ungünstig gewählt ist. Ich habe bereits einiges an Text dazu verfasst, wie die Scene zu verstehen ist, doch ich werde für Nik gerne nochmal definieren, worin genau der Unterschied liegt, und warum das ganze „Scene“ heißt.
Notorious ist nicht als eine eigenständige Subkultur zu betrachten, obgleich die Gruppierung einen solchen Namen trägt. Unsere Mitglieder gehören meistens bereits einer Subkultur an, viele sind nicht in der Lage, sich irgendwo einzuordnen, die meisten wollen das auch gar nicht. Wir sind eine Vereinigung von all jenen Jugendlichen, die einfach sich selbst treu bleiben und ihren eigenen Stil ausleben wollen, unabhängig davon, was in irgendwelchen Scenen oder Subkulturen gerade „in“ ist, toleriert wird oder als „untrue“ (oder sogar ganz schlimm: „untrve“ ^^) gilt. Es ist falsch, anzunehmen, dass jemand der schwarze Kleidung und ein Pentagramm um den Hals trägt sich selbst als „Goth“ oder „Deathcore“ sieht, oder dass jemand, der gerne „Brokencyde“ hört ein Emo ist oder sich als „Crunkcore“ versteht. Kleidung und Musik sind nur kleine Hinweise, die aber niemals wirklich die Ideale preisgeben, die ein Mensch verfolgt. Und oft bieten die vorhandenen Subkulturen gar nicht genügend Facetten, um den eigenen Stil treffend zu beschreiben.
Unsere Gemeinsamkeit ist unsere Individualität, unser gemeinsames Merkmal ist unser eigener Stil. Unser Ideal ist, dass wir uns von niemandem, auch von keiner Subkultur, vorschreiben lassen, was cool ist, was wir anziehen sollen, welche Musik gut ist oder wie wir uns zu verhalten haben. Was uns zusammen hält ist das Familiäre Zusammensein, das austauschen ähnlicher oder völlig unterschiedlicher Ideen und die absolute Akzeptanz eines jeden Mitglieds.
So gesehen kann es uns also völlig egal sein, ob man nun „Emo“ als Kommerz betrachtet oder nicht, weil wir uns als Nous nicht damit identifizieren wollen. Wir möchten nur wir selbst sein, und das mit anderen zusammen, die genauso denken.
Was die Bewerbung angeht, dazu möchte ich nun wirklich nicht mehr ausholen, deren Notwendigkeit habe ich in meinem ersten Blog-Eintrag schon deutlich gemacht =) Aber ich bin gerne bereit, darüber zu diskutieren, denn sicherlich hat jemand eine ganz andere Meinung dazu, und ich bin mir sicher, dass jemand wie Nik auch etwas konstruktives beizutragen hätte.
Und um ganz kurz auf seine Bemerkung zum Rangsystem zu sprechen zu kommen: Es ist keine Bewertung einzelner Mitglieder, jemand mit 4 Sternen oder sogar 5 wird von niemandem Bevorzugt behandelt. Es ist nur eine Orientierung, die zeigt, wie aktiv ein Mitglied ist. Ein Nous erntet seine Anerkennung nicht dadurch, wie viele Sterne er hat, sondern dadurch, wie er mit anderen Mitgliedern umgeht und wie aktiv er sich an der täglichen Gestaltung der Community und deren Inhalt beteiligt. Die Sterne sind nur ein Hinweis darauf. Ich persönlich habe mir noch nie etwas aus den Sternen gemacht und auch nie jemanden darüber diskutieren sehen, da wir uns alle immer als gleichwertig betrachten =)
Ich wünsche mir wirklich mehr Mails dieser Art, denn es zeigt nicht nur, dass es da draußen noch Menschen gibt, die in der Lage sind, vernünftig und konstruktiv zu kritisieren und zu hinterfragen, ohne beleidigend zu werden oder mit haltlosen, nichtssagenden Argumenten um sich zu werfen.
In diesem Sinne: Vielen Dank, Nik =)
GreeZe da Doc



Ich bin ja schon ziemlich lange hier *kicher*… 06.08.2009… baah bin ich ein alter nous…*heul*XDD